Quelle: ©Hans-Jürgen Günther





Der größte Teil der Historischen Bibliothek geht auf den Franziskanerorden zurück, der in Offenburg um das Jahr 1280 ein Kloster und 1660 eine Lateinschule gründete. Zu dem Bibliotheksbestand gehören zwei Handschriften, 19 Wiegendrucke und über 900 Drucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt liegt in der humanistischen Schul- und Studienliteratur.
Zum heutigen Bestand gehören zudem auch Bücher des ehemaligen Kapuzinerklosters sowie Bücher aus verschiedenen Schenkungen.
Die Bestände sind im Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds verzeichnet.
Bitte geben Sie bei der Suche im Online-Katalog das Bibliotheksigel "Ofb 3" ein. Sie erhalten dann eine Liste aller Bände, die zur Historischen Bibliothek bzw. zum Stadtarchiv Offenburg gehören.
Das herausragende Stück im Bestand der Historischen Bibliothek ist die Globussegmentkarte des Kartographen Martin Waldseemüller von 1507. Sie war Teil eines „Medienpakets in lateinischer Sprache“, das ein in Saint-Dié-des Vosges / Elsass tätiger Gelehrtenkreis herausgab, zu dem auch Waldseemüller gehörte. Das Werk bestand aus drei Teilen: einer großen Weltkarte, einer Karte aus Globussegmenten und der in Latein verfassten Begleitschrift „Cosmographiae Introductio“.
Darin erfolgte die Erstbenennung und die erstmalige Darstellung des von Christoph Kolumbus neu entdeckten Kontinents „America“. Als Namensgeber fungierte Amerigo Vespucci, der fälschlicherweise als dessen Entdecker bezeichnet wurde. Martin Waldseemüller ging wegen seines Irrtums als Taufpate Amerikas in die Geschichte ein. Alle Versuche, in seinen späteren Karten die Bezeichnung zu ändern, scheiterten. Der Name Amerika blieb - bis heute.
Die 180 x 350 mm große Karte besteht aus zwölf im Holzschnittverfahren gedruckten Segmenten. Sie ließen sich ausschneiden und über einer Holzkugel zu einem Globus von circa 12 cm Durchmesser falten. Von den ursprünglich 1000 Exemplaren sind weltweit nur noch vier erhalten: in der Bibliothek der Universität von Minnesota/USA, in der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München, in einer Privatsammlung und schließlich hier in Offenburg.
Gefunden wurde die Offenburger Karte 1993 bei der Neukatalogisierung der Historischen Bibliothek in der Universität Freiburg. Das Blatt war in ein Exemplar des 1541 in Freiburg im Breisgau gedruckten Buches von Aristoteles, die „Ethica Nicomachea“, eingebunden.
Das Offenburger Exemplar wird – weltweit einmalig – im Museum im Ritterhaus in Offenburg ausgestellt.
